> biografie

> filmografie

> literatur

> links

Friedrich Wilhelm Murnau über sich selbst

Ich bin ein Sohn der roten Erde und wurde in Westfalen geboren. In Heidelberg und Berlin studierte ich Kunstgeschichte und ging dann zur Bühne und landete schließlich bei Reinhardt. Hier hatte ich einige kleine Chargenspieler zu Kollegen. Sie hießen Conradt Veidt und Ernst Lubitsch. Mehrere Tourneen am Theater folgten und schließlich begann ich bei Reinhardt an der Sprechbühne meine Regietätigkeit. Der Krieg sah mich an der Front als Fliegeroffizier. Als der Krieg beendet war, kehrte ich zur Bühne zurück und ging in die Schweiz. Hier kam ich auf eigenartige Weise zum Film. Als ich in Zürich und Bern einige Stücke inszenierte, trat die deutsche Botschaft an mich heran und betraute mich mit der Aufgabe, einige Propagandafilme für sie herzustellen. Diese Tätigkeit interessierte mich so, dass ich sofort beschloss, mich ständig dem Film zuzuwenden.

Mein erster Spielfilm war Der Knabe in Blau, doch weiß ich nicht, ob der Film überhaupt aufgeführt wurde. Doch schon der zweite Film brachte mir Erfolg. Er hieß Satanas, dann folgte Der Bucklinge und die Tänzerin, Der Januskopf, Der Gang in die Nacht und Der brennende Acker, Nosferatu, Die Finanzen des Großherzogs. Diese Filme hatten mich bereits bekannt gemacht, als ich mit den beiden Jannings-Filmen Der letzte Mann und Tartüff den großen Welterfolg errang. Dann schuf ich als vorläufig letzten Film in Deutschland den Faust für die Ufa. Ich folgte dem Angebot nach Hollywood, weil ich glaubte, dass man immer noch etwas lernen kann und mir Amerika neue Wege bot, meine künstlerischen Pläne zu verfolgen. Wie ich das meine, zeigt am besten mein Film Sonnenaufgang. Ich versuche, in jedem meiner Filme künstlerisches Neuland zu entdecken und neue künstlerische Ausdrucksformen zu finden. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass jeder Film, den der Regisseure wirklich erlebt, durchdringen wird, und jede Aufgabe, die sich nicht mit geldlicher Spekulation beschäftigt, weist auf die Zukunft.



Quelle:
Hermann Treuner (Hg.): Filmkünstler. Wir über
uns selbst.
Berlin 1928.

Hier aus: Publikation
zur Ausstellung »Friedrich Wilhelm Murnau 1888–1988«

  > impressum   Friedrich Wilhelm Murnau-Gesellschaft Bielefeld.e.V.   © 2010